ADHS

 

ADHS - HERAUSFORDERUNG UND CHANCEN

ADHS  (Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndrom)

Bevor ich Ihnen einen kleinen Einblick rund um das Thema ADHS gebe, möchte ich Ihnen vor allem sagen, was ADHS mit oder ohne Hyperaktivität nicht ist.

  • kein Erziehungsproblem
  • keine Bösartigkeit
  • kein schlechter Charakter
  • keine Dummheit

ADS Kinder oder Jugendliche mit oder ohne Hyperaktivität haben eine andere Art, Informationen aufzunehmen, zu sortieren, zu verarbeiten und abzuspeichern – und deshalb reagieren sie auf bestimmte Anforderungen anders.

Sollte Ihr Kind eine ADHS Diagnose haben, dann darf ich Ihnen sagen, SIE SIND NICHT SCHULD an dieser neurobiologischen Besonderheit.

Wenn Sie mich fragen, ob ihr Kind mit ADHS krank ist, dann würde ich folgendermaßen antworten. Ihr Kind ist wie viele andere Kinder in der Schule, in der Nachbarschaft und im Bekanntenkreis. Ihr Kind „funktioniert“ nicht wie die meisten Kinder, doch auch wie sehr viele andere Kinder. Es braucht wohl in der heutigen Zeit eine Diagnose, um dieses anders sein zu beschreiben und um den Betroffenen die notwendige Unterstützung zukommen zu lassen. Kinder und Jugendliche sind generell nicht darauf ausgerichtet, in der Schule still zu sitzen und leise zu sein. Für die „betreffende Gruppe“ ist dies fast unmöglich. Es braucht also eine Diagnose per Definition, die Bezeichnung „Zappelphilipp“ reicht nicht mehr aus, denn das Lebensumfeld unserer Kinder hat sich in den Jahren rapide verändert.

Definition ADHS1: Als hyperkinetisch wird ein Kind bezeichnet, das eine für sein Alter und seine kognitive Entwicklung beeinträchtigte Aufmerksamkeit, ausgeprägte motorische Hyperaktivität, erhöhte Impulsivität sowie eine erhöhte Ablenkbarkeit aufweist. Die Symptombereiche lassen sich bereits vor dem 6. bzw.7 Lebensjahr beobachten und treten situationsübergreifend auf.

Ätiologie: Es besteht eine genetische Disposition zu AD(H)S, die sich im Zusammenhang mit Umweltfaktoren auf hirnfunktionelle Prozesse der Aufmerksamkeitskontrolle (parietale Hirnregion) und der Handlungsplanung (frontale Hirnregion) sowie der Handlungsplanung (frontale Hirnregion) auswirkt. Eine relevante Rolle spielt hierbei das dopaminerge Neurotransmittersystem.

Diagnostik: Neuropsychologische Testverfahren ermöglichen, differenziert die Komponenten der Aufmerksamkeit, der exekutiven Funktionen und des Gedächtnisses zu erfassen. Mithilfe standardisierten Fragebögen wird das Verhalten zu Hause, in der Schule oder im Kindegarten beurteilt.

Die Diagnostik kann notwendig sein, um adäquat auf die Besonderheiten eingehen zu können.  Doch dem möchte ich etwas entgegensetzen, berühmte Vorbilder und erfolgreiche Menschen:

  • Mozart wird als ungeduldig, impulsiv, ablenkbar, respektlos, aber auch kreativ, innovativ und gefühlsbetont beschrieben. Er war nur in seiner Musik und seinen Kompositionen organisiert und konnte hier seine besonderen Begabungen umsetzten.
  • Winston Churchill war es z.B. erlaubt, nach jeder Schulstunde einmal um die Schule zu rennen, damit er seine motorische Unruhe abreagieren konnte.
  • Edison verließ die Schule mit 7 Jahren. Er war der Schlechteste der Klasse. Er meldete über 1000 Patente an.

Ich könnte viele mehr aufzählen, Heinrich Heine etc. und dies sollen auch nur Beispiele dafür sein, um zu verstehen, dass es auch ein Geschenk sein kann, anders zu funktionieren.

Im Fokus Ihres Interesses liegt sicher nicht der Nobelpreis für ihr Kind. Sie sind schon zufrieden, wenn es aus der Schule nicht immer Klagen gibt?

Wie oft habe ich von Eltern gehört: Wenn die Schule nicht wäre, dann hätten wir kaum Probleme mit unserem Kind. Ist Ihr Kind oft unaufmerksam, motorisch unruhig und impulsiv oder verliert es sich oft in Träumereien?

Lassen Sie uns in einem kostenlosen Erstgespräch klären, welche Schritte notwendig sind, um das Leben für ihr Kind leichter zu machen.

Vielleicht benötigt Ihr Kind in der Schule einen Nachteilsausgleich, weil eine Teilleistungsstörung wie eine Dyskalkulie (Rechenschwäche) oder eine Legasthenie (Lese-Rechtschreibschwäche) ihm große Probleme bereitet?

Zu den Besonderheiten Ihres Kindes, werden Sie sicher viel zu berichten haben und sicher auch viel, was uns gemeinsam schmunzeln lässt.

Ich freue mich darauf!

____________________________________________________

Wenn Sie jetzt gleich mehr Informationen zur Symptomatik brauchen…

Klassifikation / Diagnosestellung: 2

Die ICD-10 erfordert für die Diagnosestellung der hyperkinetischen Störung (F90.0) das Vorliegen der Kardinalsymptome „beeinträchtigte Aufmerksamkeit“ und Überaktivität in mehr als einer Situation (z.B. zu Hause, in der Klasse), das Bestehen dieser Symptomatik über eine längere Zeit (6 Monate) und das Auftreten bereits vor dem 7. Lebensjahr.

Die Symptomatik sollte so ausgeprägt sein, dass sie Ihr Kind in seiner sozialen und schulischen (bzw. im Kindergarten) Entwicklung stark beeinträchtigt.

Symptome der hyperkinetischen Störung (HKS) nach ICD-10 und der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) nach DSM-IV-TR3

 Unaufmerksamkeit: Die Kinder

  • sind unaufmerksam gegenüber Details, beachten häufig Einzelheiten nicht
  • beenden angefangene Aufgaben nicht
  • führen Anforderungen nur teilweise, meist nicht vollständig durch
  • haben Schwierigkeiten, längere Zeit die Aufmerksamkeit bei Aufgaben aufrecht zu erhalten
  • scheinen häufig nicht zuzuhören, auch wenn sie angesprochen werden
  • haben häufig Schwierigkeiten, Aufgaben und Aktivitäten zu organisieren
  • verlieren häufig Gegenstände, die für Aufgaben benötigt werden
  • lassen sich durch Reize leicht ablenken
  • haben Unwillen gegenüber und vermeiden Aufgaben, die eine länger andauernde Aufmerksamkeit erfordern.

Hyperaktivität: Die Kinder

  • sind motorisch unruhig, bewegen häufig Hände und Füße, rutschen auf dem Sitz hin und her, stehen unaufgefordert auf, laufen in der Klasse hin und her, obwohl sie aufgefordert wurden, sitzen zu bleiben
  • haben Schwierigkeiten ruhig zu spielen
  • sind unangemessen laut beim Spielen oder haben Schwierigkeiten, sich ruhig mit Freizeitaktivitäten zu beschäftigen
  • klettern exzessiv; in Situationen, in denen dies unpassend ist
  • reden häufig und übermäßig viel.

Impulsivität: Die Kinder

  • platzen häufig mit der Antwort heraus, bevor die Frage zu Ende gestellt ist
  • reden exzessiv, ohne angemessen auf Beschränkungen zu reagieren
  • können schlecht warten, bis sie an der Reihe sind
  • unterbrechen andere und stören andere häufig (platzen z.B. in Gespräche oder Spiele anderer hinein).

1) 2) Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie Hans-Jürgen-Möller, Gerd Laux, Arno Deister
3) ICD-10: Dilling H., Mombour W., Schmidt M.H (Hrsg.): Internationale Klassifikation psychischer Störungen. ICD-10
Kapitel V (F). Klinische diagnostische Leitlinien. Verlag Hans Huber, Bern 2011
DSM -IV-TR: Diagnostische Kriterien – DSM-IV-TR, Saß H. et al., Hogrefe, Göttingen 2003