Autismus-Spektrum-Störungen (z.B. Asperger-Syndrom)

Autismus-Spektrum-Störung (z.B. Asperger Syndrom)

Die Wirklichkeit ist für einen autistischen Menschen eine verwirrende, interagierende Masse von Ereignissen, Menschen, Orten, Klängen und Anblicken.

Für Menschen mit einer Autismus-Spektrum-Störung (z.B. Asperger-Syndrom) scheint es keine eindeutigen Abgrenzungen, Ordnungen oder Bedeutungen für irgendetwas zu geben. Ein Großteil des Lebens verbringen sie damit, die Muster, die hinter allem sind zu verstehen. Routinen in Zeitabläufen, feste Rituale und die Schaffung einer eigenen Ordnung in ein unerträglich chaotisches Leben zu bringen.

Während meiner klinischen Tätigkeit und meines therapeutischen Wirkens, bei für Autismus-Spektrum-Störungen ( z.B Asperger-Syndrom) spezialisiertem Träger, wurde eines ganz deutlich:

Der größte Leidensdruck besteht darin, sich als anders oder falsch zu erleben. Ob Kinder, Jugendliche oder Erwachsene, sie alle gaben an, oft einsam zu sein.

Manchmal verweigern Kinder oder Jugendliche zu einem bestimmten Zeitpunkt die Schule. Wir können jedoch davon ausgehen, dass Menschen mit einer Autismus-Spektrum-Störung ( z.B. Asperger-Syndrom) sich nur in die Gesellschaft integrieren können, wenn für sie gute innere und äußere Bedingungen herrschen.

Schwerpunkte meiner Therapie für Menschen mit Autismus-Spektrum-Störung (z.B.Asperger-Syndrom)

Manchmal braucht es einen Übersetzer, einen Erleichterer, damit es HALT UND ORIENTIERUNG sowie neue wichtige Impulse gibt. Wir wissen, dass alle Menschen Herausforderungen gut meistern können, wenn die entsprechenden Bedingungen herrschen. Um diese Bedingungen zu schaffen, braucht es manchmal einen Blick von außen. Einen Blick auf das innere Erleben des Betroffenen, einen Blick auf soziale Kontakte, Interaktionsmuster, funktionierende Strategien oder Strategien, die eher hinderlich sind. (z.B. Verweigerung oder Isolierung)

Dies immer wieder begleitet von der Frage: Was braucht mein Klient, für ein stabiles Selbstwerterleben? Was braucht er um Inkongruenzen zwischen Selbstbild und organismischen Erleben aufzulösen?

Wie gestaltet sich die Therapie?

  • Die psychotherapeutischen Interventionen sind beziehungs- und erlebnisorientiert.
  • Eine psychotherapeutische Begleitung ist hilfreich, um implizite Regeln der Interaktion zu erlernen
  • Sich auf die „Spürsuche“ nach den Gefühlen zu begeben und Freude am im Kontakt sein mit anderen Menschen zu entwickeln.

So wird der Angst vor der Schule oder vor dem Arbeitsplatz entgegengewirkt. So haben Betroffene die Möglichkeit, sich als vollständig zu erleben und ein stabiles Selbstwertgefühl zu entwickeln.

Der Fokus liegt auf dem interaktionellen Geschehen zwischen mir als Therapeutin und dem Klienten, sowie auf dem ausgedrückten und unmittelbaren Selbsterleben in der Interaktion.

Meine Erfahrungen ermöglichen mir, mich in die konkrete Ausdrucksweise einzufühlen. Beispiele aus meiner Praxis.

Junge, 12 Jahre:

  • Ich habe mir meinen Fuß verletzt, warum fragt der Arzt ob mein Knie brennt? Es ist doch kein Lagerfeuer auf meinem Knie?“ 
  • Warum darf ich in der Schule nicht den Kopf auf die Bank legen, dann könnte ich dem Unterricht folgen?“
  • „Warum darf ich nicht immer meine rote Hose anziehen, diese Hose gehört zu mir.“
  • „Warum verstehen meine Eltern nicht, dass sie meine Sachen nicht mit ihren waschen dürfen. Ich will keine fremden Bakterien und ich will auch mittwochs kein Fleisch, weil mittwochs Suppentag ist.“
  • „Warum müssen Menschen sich besuchen, wenn sie doch alle ein eigenes Zuhause haben?“
  • „Warum muss ich in die Schule gehen? Warum lachen die Kinder auf dem Schulhof über Dinge, die ich nicht lustig finde?“
  • „Warum soll ich ihnen in´s Gesicht schauen, wenn ich davon Kopfschmerzen bekomme?“

Frau, 26 Jahre:

  • Meine Kollegin fragte mich, ob ich eine Uhr habe. Ich habe ja gesagt. Warum ist sie dann beleidigt?“
  • „Mein Kollege hat sich als schwul geoutet, warum haben die anderen sich gefreut und sind ihm um den Hals gefallen?“
  • „Warum war mein Mann traurig, als ich mich von ihm getrennt habe. Ich habe ihm doch gesagt, dass der andere Mann besser zu mir passt.“

Dies soll einen klitzekleinen Einblick geben, in wie vielen Konfliktfeldern sich ein Mensch mit einer Autismus-Spektrum-Störung (z.B. Asperger Syndrom) befindet.


Wenn sie mehr zum Thema Autismus-Spektrum-Störungen oder dem Asperger-Syndrom brauchen:

Für mein Verständnis sind Menschen mit der hier beschriebenen Symptomatik in erster Linie Menschen, mit einer besonderen Form der Kommunikation und einer besonderen Form des IN-KONTAKT-GEHENS.

Jegliche Stigmatisierung ist fehl am Platz. Der Betroffene kann lernen mit seinem sozialen Umfeld angemessen zu interagieren.

Das soziale Umfeld (ICH /WIR) können lernen, eine wertschätzende und unterstützende Umgebung zu schaffen, um gemeinsam mit und von Menschen mit einer Autismus-Spektrum-Störung oder dem Asperger-Syndrom zu lernen.

Definition Asperger-Syndrom

Autistisches Syndrom, das sich durch Vorliegen von Spezialinteressen und stereotypen Aktivität bei gestörter Beziehungsfähigkeit auszeichnet. Im Gegensatz zum frühkindlichen Autismus sind Sprachfähigkeit und Intelligenz in der Regel erhalten oder besonders ausgebildet. Das Syndrom wurde 1943 von H. Asperger erstmals beschrieben.

Klassifikation des Asperger-Syndroms

ICD-10 DSM-IV-TR*
Asperger-Syndrom (F84.5)

  • qualitative Beeinträchtigung der gegenseitigen sozialen Interaktion
  • motorische Ungeschicklichkeit
  • stereotype Interessen und Aktivitäten
  • Fehlen einer allgemeinen Entwicklungsverzögerung
  • deutliches Überwiegen des männlichen Geschlechts
Asperger-Störung (299.80)

  • Beeinträchtigung der sozialen Interaktion
  • beschränkte, repititive und stereotype Verhaltensmuster, Interessen und Aktivitäten
  • Beeinträchtigung in sozialen, schulischen und beruflichen Funktionsbereichen
  • Keine Verzögerung der sprachlichen oder kognitiven Entwicklung

*Quelle: DSM-5,  ICD-10: Dilling H., Mombur W., Schmidt M:H: ( Hrsg): Internationale Klassifikation psychischer Störungen. ICD-10 Kapitel V (F). Klinisch diagnostische Leitlinien. Verlag Hans Huber, Bern 2011 DSM-IV-TR: Diagnostische Kriterien – DSM-IV-TR, Saß H. et al., Hogrefe, Göttingen

 Verbreitung des Asperger-Syndroms

Epidemiologie: Früher ist man davon ausgegangen, dass 3 von 10 000 Menschen betroffen sind: Heute wird vermutet, dass es wesentlich mehr sind. Außerdem ging man davon aus, dass hauptsächlich Jungen betroffen sind. Diese Erkenntnisse werden heute mehr und mehr revidiert.

Ursache und Entstehung des Asperger-Syndroms 

Ätiopathogenese: Wie bereits von Asperger angenommen, handelt es sich mit einer hohen Wahrscheinlichkeit um eine konstitutionelle Variante mit familiärer Häufung in der männlichen Linie, d.h der genetische Einfluss ist hoch.

Symptome beim Asperger-Syndrom

Symptomatik:

Menschen mit einem Asperger-Syndrom sind in ihrer sozioemotionalen Schwingungsfähigkeit und Beziehungsfähigkeit eingeschränkt, während sie in ihren Spezialgebieten brillieren und geradezu auftrumpfen können.

Bereits vor der Einschulung findet man unter ihnen beachtliche Naturforscher, Kunstkenner und Rechenkünstler, die unkindlich ernst, introvertiert, grüblerische und egozentrisch sind. Als Jugendliche wirken die Patienten scheu, angespannt, skurril, verschroben und reagieren bisweilen gereizt, wenn man sie in der Ausübung ihrer Interessen einschränkt. Sie lassen meist jugendtypische Eigenheiten vermissen, zeigen extreme Humorlosigkeit und eine Neigung zur Entwicklung von Stereotypen.

Intelligenz und Sprachfähigkeit sind normal oder besonders stark ausgeprägt. Die Sprache ist häufig monoton, leiernd, manchmal auch fast flüsternd oder extrem laut und nicht an der umgebenden Situation orientiert.

Inhaltlich bieten sie eine eigenwillige Originalität mit neologistischen Eigenwilligkeiten.

Im kognitiven Bereich finden sie originelle, bisweilen auch abwegige Denkmuster.

Menschen mit Asperger-Syndrom versagen oft in der Schule, weil sie auf ihre Interessen fixiert bleiben und sich nicht ausreichend am regulären Unterricht beteiligen.

Das Bild eines Klienten mit Asperger-Syndrom kann sehr variieren. Nicht alle Symptome sind gleichermaßen zutreffend. Es empfiehlt sich, sich für die Diagnostik einen erfahrenen Psychiater zu suchen, der sich mit diesem Störungsbild besonders gut auskennt.

Diagnostik bei Verdacht auf Asperger-Syndrom

Die Diagnostik wird klinisch erstellt. (Psychiater die sich auch darauf spezialisiert haben)

High Functioning Autism

Unter den vielen Manifestationsmöglichkeiten atypischer autistischer Störungen ist der sog. High Functioning Autism thematisiert worden. Es ist noch umstritten, ob er eine eigene diagnostische Einheit darstellt. Die Diagnose gelingt hier nicht eindeutig wie beim frühkindlichen Autismus, schwere Intelligenzminderungen kommen seltener vor, schwere komorbide Störungen (z.B. Zwangsstörungen, Stereotypen sind häufig.)

Es wird derzeit als eine Unterform des Asperger-Syndrom gesehen.


Titelbild: „Einstein“ von Nicoleta Albei-Wigger

http://www.nicoleta-art.de